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Hörgeräte: In-dem-Ohr oder Hinter-dem-Ohr? Was ist besser?

In Deutschland leiden rund 15 Millionen Menschen unter Hörproblemen – jedoch nutzt nur ein Zehntel davon ein Hörgerät. Warum ist das so? Nun, das mag am schlechten Image der hautfarbenen Geräte liegen. Jedoch haben sich Hörgeräte im Laufe der Jahre in kleine Mini-Computer verwandelt, die größtenteils gar nicht mehr wirklich sichtbar sind.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen deshalb nützliche Informationen zu den 2 Arten von Hörgeräten zur Verfügung stellen und die Frage beantworten, ob für Sie eher ein In-dem-Ohr-Hörgerät (IdO) oder ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät (HdO) geeignet ist.

IdO-Hörgeräte
(In-dem-Ohr)
HdO-Hörgeräte
(Hinter-dem-Ohr)
VerbreitungNur 5 – 10 % aller verkauften Hörgeräte in DeutschlandDeutliche Mehrheit aller Hörgeräte in Deutschland
Arten3 verschiedene Arten (ITE, ITC, CIC)Individuell angepasstes Ohrpassstück aus Kunststoff (Otoplastik)
SichtbarkeitDezent, kaum sichtbar Auffälliger
PluspunktErmöglichen natürliches Hören Pflegeleicht
Geeignet beiLeichtem oder mitelgradigem HörverlustFür jede Art von Hörverlust geeignet

Was sind In-dem-Ohr-Hörgeräte?

In-dem-Ohr-Hörgeräte Grafik
In-dem-Ohr-Hörgeräte (ITE, ITC, CIC)

In-dem-Ohr-Geräte werden als „IdO-Geräte“ abgekürzt, sie sind sehr kleine Hörgeräte, die teilweise oder sogar komplett im Gehörgang verschwinden. So ist eine Diskretion in jedem Fall sichergestellt. In der Regel sind IdO-Hörgeräte eher für Menschen geeignet, die unter einer leichten bis mittleren Schwerhörigkeit leiden.

Im-Ohr-Hörgeräte machen in Deutschland ca. 5 – 10 % der verkauften Hörgeräte aus.

Quelle: KIND Hörgeräte

Gut zu wissen: In Deutschland sind mittlerweile alle erhältlichen Hörgeräte digital und haben eine Rechenleistung, die mit einem Desktop-Computer der Mittelklasse vergleichbar ist. 

Marcus Nissen, Hörgeräteakustikermeister und Dozent an der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck erklärt, warum die Geräte eine solch hohe Rechenleistung haben müssen:

“Die Geräte müssen wirklich sehr schnell sein, weil sie den Schall ja in Echtzeit weiterleiten sollen. Jede Verzögerung wäre für die Träger der Geräte extrem störend.”

Trotz der geringen Größe, können IdO-Geräte diese enorme Rechenleistung erbringen – jedoch schlägt sich das auch im Preis nieder. Denn die IdOs sind in der Regel teurer in der Herstellung und übersteigen nicht selten den Festbetrag der gesetzlichen Krankenkasse.

Mehr Informationen zum Thema Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen finden Sie unter: www.tinnitus-selbsthilfe.org/kostenuebernahme-hoergeraete-krankenkasse

Welche Arten von In-dem-Ohr-Hörgeräten gibt es?

Bei In-dem-Ohr-Hörgeräten gibt es 3 verschiedene Größen:

  • In-The-Ear (ITE)

    Diese Geräte füllen die Ohrmuschel komplett aus.
ITE-Hörgerät
  • In-The-Canal (ITC)

    Diese Geräte sind etwas dezenter, da sie direkt am Gehörgang abschließen.
ITC Hörgerät Beispiel
ITC Hörgerät
  • Complete-In-Canal (CIC)

    Die diskreteste Variante der IdO-Geräte sitzen im Gehörgang und sich daher unsichtbar. Oft besitzen sie einen kurzen Nylon-Faden, um sie wieder aus dem Ohr zu ziehen.

Für wen kommen In-dem-Ohr-Hörgeräte in Frage?

In-dem-Ohr-Hörgeräte sind nur bei leichtem oder mittelgradigem Hörverlust geeignet. Je stärker die Hörprobleme also sind, desto weniger empfehlenswert ist ein IdO-Gerät.

Bei einem starken Hörverlust empfehlen Experten (und wir natürlich auch) daher die Alternative: das Hinter-dem-Ohr-Hörgerät.

Vor- und Nachteile von In-dem-Ohr-Geräten

In-dem-Ohr-Hörgerät VorteileIn-dem-Ohr-Hörgerät Nachteile
– Sehr dezent und daher kaum sichtbar (hohe Diskretion)
– Für Brillenträger geeignet
– Angenehmer Tragekomfort beim Sport
– Ermöglichen ein natürliches Hören
– Nur bei leichtem oder mitelgradigem Hörverlust geeignet
– Einsatzmöglichkeit ist von der Form und Größe des Gehörgangs abhängig

Hörgerät zu teuer?

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Die Alternative: Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte
Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO & HdO-RIC)

HdO-Geräte sind grundsätzlich leistungsstärker als IdO-Geräte. Das liegt hauptsächlich an der Größe der Geräte – es ist einfach mehr Platz für Technik vorhanden. So können in Hinter-dem-Ohr-Geräten z. B. leistungsstarke Verstärker verbaut werden. Der Einsatz von HdO-Geräten ist also gerade bei Menschen mit einer starken Hörbeeinträchtigung sinnvoll. 

Ein HdO-System besteht aus 2 Teilen:

  1. dem Hörgerät (was je nach Modell in verschiedenen Formen, Farben und Größen erhältlich ist) und
  2. einem individuell angepassten Ohrpassstück aus Kunststoff (Otoplastik). Das Ohrpasstück sorgt für einen perfekten „Sitz“ des Hörgeräts und somit für eine opimale Schall-Weiterleitung ins Ohr.

Die Diskretion ist durch die Größe der HdO-Geräte nicht so ausgeprägt wie bei den IdO-Geräten. Jedoch legen Hersteller natürlich auch hier großen Wert darauf, Ihren Kunden ein möglichst dezentes Gerät anzubieten. 

Pure Charge and Go X Signia Hörgerät
HdO-Hörgerät von Signia als Modell „Receiver-In-Canal-Hörgeräte (RIC)“

Marcus Nissen gibt hier noch einen wichtigen Tipp:

“Viele Menschen legen Wert darauf, dass die Otoplastik möglichst unauffällig ist, aber kleiner bedeutet nicht in jedem Fall besser.”

Ihr Akustiker kann Sie in diesem Fall beraten, welche Größe das Ohrpassstück in Ihrem Fall haben sollte, damit eine optimale Schallübertragung gewährleistet ist. Denn ein gutes Hörerlebnis sollte immer wichtiger sein, als das Aussehen des Gerätes.

Vor- und Nachteile von Hinter-dem-Ohr-Geräten

Hinter-dem-Ohr-Hörgerät VorteileHinter-dem-Ohr-Hörgerät Nachteile
– Für jede Art von Hörverlust geeignet
– Pflegeleicht
– Guter Tragekomfort
– Größere und leichter bedienbare Tasten
– Form ist auffälliger als bei In-dem-Ohr-Geräten
– Regelmäßiger Schlauchwechsel nötig

Hörgerät zu teuer?

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Fazit: Gerade in puncto Diskretion überzeugen In-dem-Ohr-Hörgeräte

Es ist nicht gerade den Überblick zu behalten, wenn es um das Thema Hörgeräte geht – zumal es über 2.000 (!) verschiedene Hörgeräte am Markt gibt. Die Unterscheidung zwischen IdO- und HdO-Geräten kann Ihnen die Entscheidung jedoch um einiges erleichtern.

In-dem-Ohr-Geräte überzeugen gerade durch Ihre Größe und die damit verbundene Diskretion. Jedoch sind diese Geräte nur für Menschen mit leichten bis mittelgradigen Hörproblemen geeignet

Die Alternative, das HdO-Hörgerät, ist hingegen für jede Art von Hörverlust geeignet und zeichnet sich durch einen guten Tragekomfort aus. HdO-Geräte sind jedoch etwas größer und daher nicht so dezent wie In-dem-Ohr-Hörgeräte. 

Wir haben Ihnen die verschiedenen Vor- und Nachteile in diesem Artikel aufgezeigt – mit diesen Informationen sind Sie bestens für die professionelle Beratung beim Hörgeräteakustiker vorbereitet.

Was Sie vor dem Besuch des Hörgeräteakustikers unbedingt wissen müssen, erfahren Sie in diesem Artikel: www.tinnitus-selbsthilfe.org/hoerakustiker-test-stiftung-warentest

Jan Becker, Tinnitus Selbsthilfe

Jan Becker

Gründer, Tinnitus Selbsthilfe

Herr Becker hat mit Hilfe von Hör-Experten und HNO-Ärzten alle wichtigen Informationen zu Tinnitus und anderen Hörschwierigkeiten auf diesem Portal aufbereitet.


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Jan Becker

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